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Techniker und soziale Kompetenz

Techniker und soziale Kompetenz

Techniker sind wortkarge Eigenbrötler, die sich gerne hinter Maschinen verschanzen und mit Fachausdrücken um sich werfen, die keiner versteht. Oder anders formuliert: fachliche Kompetenz trifft auf soziale Inkompetenz. Zumindest ist das das Bild, das manche von Technikern oder Informatikern haben. Ob das nur ein reines Klischeebild ist oder ob darin nicht wie in so vielen Klischees doch ein Körnchen Wahrheit steckt, das ist hier die Frage. Sind Techniker in zwischenmenschlichen Belangen wirklich so schlecht wie ihr Ruf?

Ein Beispiel: Ein Bankmitarbeiter unter Zeitdruck. Sein Computer stürzt ab, er ruft den Techniker an und erhofft sich schnelle Hilfe. Der Techniker versteht das, will sofort zum Kern des Problems vordringen und stürzt sich auf die fachlichen Details. Ein Fachbegriff jagt den nächsten und als der Techniker merkt, dass der Mitarbeiter ihn nicht versteht, denkt er sich: sein Gegenüber braucht noch mehr Details. Und indem er Detail an Detail und Fachausdruck an Fachausdruck reiht, schafft er anstatt das eine Problem zu lösen nur ein weiteres Problem, nämlich: dass sein Gegenüber überhaupt nichts mehr versteht. Die Folge: der Mitarbeiter schaltet auf Durchzug und die Lösung rückt in unerreichbare Ferne. Und dabei wollten beide Seiten doch das Gleiche: die schnellstmögliche Lösung des Problems.

Verschiedene Sprachen

Was ist hier falsch gelaufen? Beide Seiten würden wohl sagen: der andere hat mich nicht verstanden. Der eine, weil er nicht über die gleiche fachliche Kompetenz verfügt. Der  andere, weil er es nicht geschafft hat, seine Fachkompetenz entsprechend zu vermitteln. Das könnte in dem Fall heißen: anstatt mit Fachwissen zu „protzen“, zuerst einmal durch ein paar gezielte Fragen herauszufinden, wie viel das „nicht-technische“ Gegenüber von der „Materie“ versteht und wie viel an Fachwissen man ihm überhaupt zumuten kann. Und dann zu überlegen, wie sich der Rest in einer einfachen, möglichst bildhaften Sprache erklären lässt. Das heißt, sich auf sein Gegenüber einzustellen und dabei auch vor Vereinfachungen und ungenauen Ausdrücken nicht zurückzuschrecken, auch wenn diese im „technischen Diskurs“ womöglich verpönt sind. Und was auch nicht schaden kann: seinem Gegenüber das „gute Gefühl“ zu vermitteln, dass sich für das Problem ganz sicher eine Lösung finden wird, also die emotionale Botschaft zu vermitteln: „wir schaffen das!“.

Wir kriegen das hin!

Das klingt möglicherweise recht banal. Aber so manchem Techniker, Informatiker oder Ingenieur, der in jahrelangem Studium gelernt hat, analytisch zu denken, sich auf Fakten zu konzentrieren und in genauen Fachtermini zu kommunizieren, fällt das wirklich nicht so leicht. Das heißt: von seiner problemzentrierten Sichtweise zu abstrahieren, einen oder zwei Schritte zurückzutreten und die Perspektive seines Gegenübers und damit die eines Laien einzunehmen. Dieser will  oft gar so genau wissen, warum etwas nicht funktioniert, sondern möchte nur, dass es so schnell wie möglich wieder funktioniert.

Das gleiche gilt für die potentielle Lösung: auch hier will der Problembeladene oft nicht wissen, warum sie funktioniert, sondern nur dass sie funktioniert. Genaue Fachdetails sind ihm dabei nicht wichtig. Was er haben will, ist: eine möglichst einfache Beschreibung, was er machen muss; und das Gefühl, dass seine Notsituation bald vorüber ist und er wieder an seine Arbeit oder nach Hause gehen kann. Ähnliches gilt im Umgang mit Vorgesetzten, die sich bei bestimmten technischen Problemstellungen ebenfalls oft nicht mit (aus ihrer Sicht) unnötigen Details aufhalten und gar nicht wissen wollen, wie Sie als Techniker das Problem im Genauen lösen. Sondern die von Ihnen als Techniker zunächst mal das „gute Gefühl“ vermittelt bekommen wollen, dass sie das Problem im Griff haben und es in einer akzeptablen Zeit gelöst oder beseitigt ist.

Geht es auch einfacher?

Sich in der Kommunikation mit Kollegen, Mitarbeitern oder Vorgesetzten auf sein „Laien-Gegenüber“ wirklich einzulassen, aktiv zuzuhören und seine eigene „Sprache“ dementsprechend anzupassen: darin liegt, könnte man formulieren, hier die entscheidende soziale Kompetenz. Eine Kompetenz, die in technischen Studiengängen wohl tatsächlich nur selten vermittelt wird; die im heutigen Berufsleben, wo man sein Fachwissen auch an Laien permanent kommunizieren und vermitteln muss, aber unabdingbar geworden ist. Sollten Sie in ihrem beruflichen Alltag merken, dass Sie als Techniker (studienbedingt oder aus anderen Gründen) in diesem Bereich tatsächlich Defizite haben und etwa im Gespräch mit Laien regelmäßig in den Fachjargon verfallen: keine Sorge, auch hierfür gibt es eine Lösung.

Zuhören lohnt sich

Aktives Zuhören, gezieltes Nachfragen und zur Not auch zwei- oder dreimal was erklären: das wäre schon mal ein Anfang. Auch mal bei Kollegen nachzufragen, wie sie bestimmte Dinge erklären würden, oder sich vielleicht auch Vorbilder zu suchen, könnte eine Lösung sein. Entsprechende Rhetorik- oder andere Weiterbildungsseminare können ebenfalls dabei helfen, das eigene Kommunikationsverhalten besser zu verstehen und zu verbessern. Was natürlich nicht heißt, dass nicht auch Nicht-Techniker ihre sozialen Defizite hätten. Eines davon wäre zum Beispiel, dass sie permanent das Stereotyp verbreiten, Techniker wären wortkarge Eigenbrötler, die sich gerne hinter Maschinen verschanzen und mit Fachausdrücken um sich werfen, die keiner versteht.  Dass das nicht stimmt, das können Sie ihnen dann beim nächsten Mal ganz sicher auf eloquente Art beweisen.

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